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Liebe Leserinnen und Leser,

er war ein Mensch, der es immer ganz genau wissen wollte. Er gab sich nicht einfach mit dem ab, was alle sagten. Er forschte nach. Er wollte Beweise. Kennen Sie Menschen wie ihn? Sind sie vielleicht selbst einer davon? Mir ist das erst einmal sympathisch. Ich stelle ihn mir als einen Menschen mit Tiefgang vor, keinesfalls oberflächlich. Thomas gehörte zum engsten Kreis um Jesus. Da waren ganz verschiedene Typen versammelt. Einer, der immer sofort das Wort ergriff (Petrus). Andere, die sich Gedanken um ihre Stellung in der Hierarchie machen (Jakobus und Johannes). Und eben auch er, der Tiefgänger, der Selberdenker, der Nicht-so-einfach-Glaubende. Die Tradition hat ihm den wenig rühmlichen Beinahmen „der Zweifler“ gegeben. Oder auch: der ungläubige Thomas. Ich denke, er war eher einer, der es genau wissen wollte.
Am Karfreitag war Jesus auf schändliche Weise verurteilt und hingerichtet worden. Unter seinen Anhängern war Trauer und Verzweiflung. Aber dann kam der Ostermorgen. Der auferstandene Jesus begegnet vielen von ihnen, auch dem innersten Kreis, den elf Aposteln. Nur Thomas war nicht dabei. Er hört die anderen berichten: „Wir haben den Herrn gesehen!“, so sagen sie zu ihm. Aber er, der Tiefgänger, der Alles-ganz-genau-wissen- Wollende antwortete nur: „Wenn ich nicht seine Wunden sehe, kann ich es nicht glauben.“ Und dabei bleibt er, mögen die anderen doch von ihren Erfahrungen erzählen. Respekt. Das muss man erst mal draufhaben: Wenn alle A sagen, bleib ich bei B.
Acht Tage später begegnet der auferstandene Jesus auch ihm und geht auf ihn ein: „Nun sieh mich doch an, Thomas! Und fühle meine Wunden! Und sei nicht länger ungläubig, sondern komm zum Glauben!“ Für Thomas ist das ein Wendepunkt. Und ohne genauer zu prüfen, spricht er zu Jesus ein Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott.“ Thomas kommt zum Glauben an den auferstandenen Jesus, weil er ihn gesehen hat.
Aber Jesus sagt zu ihm (und zu uns:)

“Glückselig sind die, die mich nicht sehen und trotzdem glauben.“
( Johannes 20,28 - Monatsspruch April)

Nichtsehen und trotzdem glauben, das ist nicht einfach. Aber genau das ist unsere Situation. Wir sehen den auferstandenen Jesus nicht, manchmal zweifeln wir vielleicht an seiner Macht. Aber er ist trotzdem da. Er begegnet uns, wenn auch eher indirekt. In seinem Wort. In der Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, die sich in seinem Namen versammeln. In Brot und Wein, den Zeichen seiner Gegen-wart.
Lassen Sie sich ganz herzlich einladen zu unseren Gottesdiensten zu Ostern!
Es grüßt Sie auch im Namen aller Kirchvorsteher und Mitarbeiter

Pfr. Tom Seidel.